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Forscher entdecken Mechanismus für Tumorwachstum bei Brustkrebs

Sebastian Kaulitzki/Shutterstock

Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum entdeckten ein winziges RNA-Molekül, miR-520, das in Zellen gleich zwei wichtige Wege der Krebsentstehung blockiert. Bei Östrogenrezeptor-negativem Brustkrebs ist die Produktion dieser Micro-RNA oft gedrosselt, was mit bösartigem Verhalten der Tumorzellen korreliert: Die Forscher fanden heraus, dass Tumoren mit niedrigem miR-520-Gehalt besonders häufig Metastasen bilden, so das Deutsche Krebsforschungszentrum.

Micro-RNAs oder miRNAs, winzige RNA-Moleküle, die aus nur rund 20 Bausteinen bestehen und keine Baupläne für Proteine tragen, regulieren viele zentrale Vorgänge in Zellen. Dazu heften sie sich gezielt an die Bauanleitung für Proteine, die sog. Boten-RNAs, und blockieren so die Herstellung des betreffenden Eiweißes. Bei Krebs ist die Produktion bestimmter miRNAs oft verringert, teilweise aber auch verstärkt. Besonders häufig trifft das auf miRNAs zu, die die Aktivität krebsfördernder Gene steuern.

Eines der Schlüsselmoleküle bei der Krebsentstehung ist der Transkriptionsfaktor NF-kappaB, ein zentraler Schalter für viele Gene mit entzündungsfördernder Wirkung. Im Deutschen Krebsforschungszentrum untersuchten Prof. Dr. Stefan Wiemann und seine Mitarbeiter nun, ob bei Brustkrebs Micro-RNAs dereguliert sind, die die NF-kappaB-Produktion beeinflussen. Gemeinsam mit Kollegen aus Heidelberg und Tübingen entdeckten die Forscher unter mehr als 800 untersuchten miRNAs eine Gruppe von verwandten RNA-Molekülen mit der Bezeichnung miR-520, die die NFkappaB-Produktion besonders stark drosselt.

„Bilden die Zellen weniger NF-kappaB, so geht die Produktion entzündungsfördernder Signalmoleküle zurück. Das bremst das Krebswachstum, denn diese Signalmoleküle fördern Invasionsfähigkeit, Gefäßneubildung und Metastasierung“, erklärt Ioanna Keklikoglou, Doktorandin aus Wiemanns Abteilung, den Mechanismus. MiR-520 wirkt aber nicht nur über die Drosselung von NF-kappaB als Krebsbremse: Wiemanns Team entdeckte außerdem, dass die Micro-RNA auch einen zweiten krebsfördernden Signalweg blockiert, den der Wachstumsfaktor TGF-beta auslöst. TGF-beta-Signale bewirken, dass bösartige Zellen weniger im Gewebe verankert sind und daher leichter in umgebende Organe vordringen können – eine charakteristische Eigenschaft von Krebszellen.

Die Forscher prüften daraufhin, ob die an Krebszellen in der Kulturschale erzielten Ergebnisse auch bei Brustkrebs eine Rolle spielen. Bei der Untersuchung von Tumorgewebeproben von 76 Patientinnen entdeckten sie, dass Tumoren, die bereits Lymphknotenmetastasen gestreut hatten, weniger miR-520 produzierten als solche, die nicht gestreut hatten. Dieser Zusammenhang bestand jedoch nur bei Tumoren, die keine Rezeptoren für das weibliche Geschlechtshormon Östrogen bilden („ER-negative“ Tumoren).

„Unsere Ergebnisse zeigen klar, dass miR-520 eine echte Krebsbremse ist, die das bösartige Verhalten der Tumorzellen gleich auf zwei verschiedenen Wegen unterdrückt“, interpretiert Stefan Wiemann die Ergebnisse seiner kürzlich veröffentlichten Arbeit. „Diese Krebsbremse fällt offenbar in vielen ER-negativen Brusttumoren aus – aber auch in Zellen anderer Krebsarten, wie Kollegen inzwischen gezeigt haben.“ Gerade ER-negativer Brustkrebs ist häufig schwierig zu behandeln. Hier könnte die Entwicklung einer Micro-RNA-Therapie, die mehrere krebsfördernde Signalwege gleichzeitig blockiert, eine interessante Option darstellen.

Quelle: Befund Krebs 1/2012

11.04.12

Die Entstehung von Brustkrebs
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