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Mit Genschalter gegen Lymphome?

Sebastian Kaulitzki/Shutterstock

Das Seneszenz (lat. senex für Alter, Greis) genannte Zellschutzprogramm wird paradoxerweise von einem krebsauslösenden Gen (Onkogen) im Frühstadium einer Krebserkrankung angeschaltet. Krebszellen können sich, sobald das Programm aktiviert ist, nicht mehr ungebremst teilen. „Vielmehr bringt die Seneszenz die Zellteilung endgültig zum Stehen“, erläutert Prof. Schmitt. Zwar leben die Krebszellen weiter, können sich aber nicht mehr teilen und sind stoffwechselaktiv. In der letzten Zeit gab es Hinweise darauf, dass der Genschalter NF-kappaB bei der Auslösung des Seneszenz-Programms mitwirkt. Offenbar löst er die Ausschüttung von Botenstoffen des Immunsystems (Zytokine) aus, die dieses Schutzprogramm verstärken.

NF-kappaB spielt damit eine widersprüchliche Rolle. Denn bei zahlreichen Formen von Lymphdrüsenkrebs (Lymphomen) treibt der Genschalter die Krebsentstehung und das Fortschreiten der Erkrankung voran und trägt dazu bei, dass ein Tumor gegen eine Therapie resistent wird, d. h. auf eine Behandlung nicht mehr anspricht. Dabei schaltet NF-kappaB ein anderes Schutzprogramm der Zelle aus, die Apoptose. Dieses Programm treibt normalerweise geschädigte oder entgleiste Zellen in den Selbstmord und bewahrt damit den Organismus als Ganzes vor Schaden. Bei Krebserkrankungen ist dieses Programm jedoch häufig defekt, sodass die Zellen nicht mehr absterben. Allerdings vermag Chemotherapie durch Anschaltung der Seneszenz durchaus einen Wachstumsstillstand der Erkrankung zu erreichen.

Schmitt, dessen Spezialgebiet die Erforschung der Seneszenz ist, wollte genauer wissen, welche Rolle NF-kappaB bei diesem Schutzprogramm spielt. Mit seinen Mitarbeitern erforschte er in einem Lymphdrüsenkrebs (Lymphom)-Modell, unter welchen genetischen Bedingungen NF-kappaB zur Seneszenzauslösung unter Chemotherapie beiträgt. Die so gewonnenen genetischen Informationen verglichen die Forscher mit Daten von 223 Lymphompatienten, von denen sie wissen, welche Gene bei ihrer Erkrankung aktiv sind und wie der Krankheitsverlauf ist.

„Wir haben bei unserem Vergleich eine klinisch bedeutsame Gruppe von Lymphompatienten ausfindig gemacht, bei denen hohe NF-kappaB-Aktivität einen günstigen Verlauf nach Chemotherapie voraussagt – ein durchaus überraschender Befund, der vermutlich auf den Zusammenhang von NF-kappaB und Seneszenzauslösung zurückzuführen ist“, sagt Schmitt. „Wir können jetzt sagen, dass wir künftig in klinischen Behandlungsstudien die Bedeutung hoher NF-kappaB-Aktivität besonders würdigen sollten.“

Quelle: Befund Krebs 1/2012

10.04.12

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