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Brustkrebs in Deutschland: Stand der Dinge

OtnaYdur/Shutterstock

Brustkrebs wird in Deutschland immer frühzeitiger diagnostiziert, die Therapie hat sich in den letzten Jahren weiter verfeinert und die Überlebenschancen liegen im internationalen Vergleich auf einem hohen Niveau. Das berichtete die Deutsche Gesellschaft für Senologie (DGS), die am Ende ihres Jahreskongresses in Stuttgart eine positive Bilanz zog und in den nächsten Jahren mit weiteren Verbesserungen rechnet.

Nach den neuesten Zahlen des Robert Koch-Instituts werden in Deutschland zum Ende des Jahres 2012 ungefähr 74.500 Frauen neu an Brustkrebs erkrankt sein. Rund 70 % von ihnen werden voraussichtlich den Krebs mithilfe ihrer Ärzte besiegen. Die Grundlage für diesen Erfolg sah Prof. Dr. Wilfried Budach, DGS-Kongresspräsident 2012, in der fachgebietsübergreifenden Behandlung der betroffenen Frauen. „Mittlerweile werden 92 % aller Frauen an einem Brustzentrum behandelt.“ Drei Viertel aller Frauen (2009: 73 %) könnten heute bereits brusterhaltend operiert werden, betonte Prof. Budach.

Mithilfe einer präoperativen Markierung oder intraoperativen Visualisierung des Tumors per Ultraschall ist es heute zudem möglich, den Tumor operativ mit dem notwendigen Sicherheitsabstand zu entfernen – insbesondere, wenn er klein oder schwer palpabel (tastbar) ist. „Diese Vorgehensweise erleichtert das Aufsuchen des Tumors und verbessert damit zum einen die diagnostische Sicherheit, vermeidet aber auch die unnötige Entfernung von gesundem Gewebe“, erklärte Prof. Dr. Diethelm Wallwiener, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie. „Das Risiko für eventuell erforderliche Zweiteingriffe, wenn keine Entfernung des Tumors mit ausreichendem Sicherheitsabstand erreicht werden konnte, wird damit deutlich reduziert. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung aus onkologischer Sicht um die brusterhaltende Therapie einem ablativen Vorgehen, d. h., einer kompletten Entfernung der Brust gleichzusetzen.“

Der Brustkrebs hat bei Diagnosestellung häufig schon Mikrometastasen gesetzt. Er ist damit eine generalisierte Erkrankung, die zusätzlich zur lokalen Behandlung, also Operation und Bestrahlung, eine medikamentöse Therapie erfordert. Die postoperative Therapie mit antihormonell wirkenden Medikamenten, Chemotherapie und einem monoklonalen Antikörper hat das rückfallfreie Überleben und das Gesamtüberleben signifikant verbessert. „Zzt. geschieht dies aber noch auf Kosten einer Übertherapie bei vielen Patienten. Um dennoch dem Traum der maßgeschneiderten oder personalisierten Therapie näher zu kommen, d. h., aus dieser länger werdenden Liste von Medikamenten das richtige Medikament für den richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt auszuwählen, ist eine umfassende molekulare Charakterisierung des individuellen Tumors und der betroffenen Patientin erforderlich. Neue Hochdurchsatzverfahren erlauben uns schon heute, die molekulare Vielfalt des individuellen Brustkrebses besser abzubilden als je zuvor“, sagte Prof. Dr. Christof von Kalle, Direktor Translationale Onkologie am Deutschen Krebsforschungszentrum.

Das Ausmaß von Brustkrebsoperationen konnte in den letzten Jahren durch die Einführung der sog. Sentinel-Node-Biopsie weiter verhindert werden. „Die gezielte Untersuchung von Lymphknoten im Drainagegebiet der Brustdrüse erspart vor allem im Frühstadium vielen Frauen die radikale Entfernung aller Lymphknoten aus der Achselhöhle und das damit häufig verbundene Lymphödem, das schmerzhafte Schwellungen im Arm zur Folge hat“, erläuterte Prof. Dr. Bernd Gerber aus Rostock.

Die Frühstadien des Mammakarzinoms werden seit der Einführung eines flächendeckenden Mammografie-Screenings im Jahr 2009 immer häufiger gesehen: 35 % der dort entdeckten Tumoren sind kleiner als 10 Millimeter und damit mit hoher Wahrscheinlichkeit heilbar, berichtete Prof. Dr. Walter Heindel aus Münster. Er hält es für möglich, dass die Sterblichkeit am Brustkrebs dank der Früherkennung weiter sinken wird. Sichere Erkenntnisse werde es aber erst in einigen Jahren geben. Eine Früherkennung sei wichtig, da sich im Gegensatz zum Frühkarzinom die Therapieergebnisse im fortgeschrittenen Stadium noch nicht ausreichend verbessert haben: Nach einer auf dem Kongress vorgestellten Analyse des Forums Klinischer Krebsregister liegt das Fünf-Jahres-Überleben unverändert bei 25 %, wenn zum Zeitpunkt der Diagnose bereits andere Organe mit Krebs befallen sind.

Quelle: Befund Krebs 5/2012

09.04.13

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