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Darmkrebs vor der Chemotherapie operieren?

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Krebs des Dick- und Enddarms – das sog. kolorektale Karzinom – ist die zweithäufigste Krebserkrankung in den westlichen Ländern. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 65.000 Menschen und rund 26.600 sterben daran. Bis heute gibt es weltweit keine große Versorgungsstudie, die mögliche Vorteile der chirurgischen Therapie im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung untersucht. Die Deutschen Gesellschaft für Chirurgie berichtet nun, dass sie an ihrem Studienzentrum diese Wissenslücke mit einer kürzlich gestarteten multizentrischen klinischen Studie schließen will.

Diese Studie untersucht, ob das chirurgische Entfernen des Darmtumors vor einer Chemotherapie den Krankheitsverlauf günstig beeinflusst. Sie schließt Patienten mit fortgeschrittenem, unheilbarem Darmkrebs im Stadium IV ein, deren Darmgeschwulst bisher keine lokalen Komplikationen wie etwa Darmverschluss oder Blutungen verursacht. Unbehandelt beträgt die Lebenserwartung dieser Patienten im Schnitt zwölf Monate, mit einer medikamentösen Chemotherapie etwa 24 Monate. Es gibt Hinweise auf einen positiven Effekt, wenn der Tumor vor der Chemotherapie entfernt wird. Demgegenüber steht das Risiko von OP-Komplikationen. Außerdem verzögert sich durch den Eingriff der Beginn der Chemotherapie.

An der Versorgungsstudie nehmen 80 Kliniken in ganz Deutschland teil. Die Patienten werden nach dem Zufallsprinzip einer der beiden Behandlungsgruppen zugeteilt. „Diese Randomisierung ist notwendig, um eine möglichst hohe wissenschaftliche Aussagekraft der Studie zu garantieren“, sagt Prof. Dr. Jürgen Weitz, Studienleiter und leitender Oberarzt an einer chirurgischen Klinik in Heidelberg. Sie sei nur deshalb ethisch vertretbar, weil Ärzte keine Daten darüber hätten, welche Behandlungsstrategie wirksamer sei. Den Patienten der Gruppe I wird vor der Chemotherapie der Darmtumor entfernt, die Patienten der Gruppe II erhalten sofort die Chemotherapie. Die Patienten werden drei Jahre lang betreut und regelmäßig zu ihrem Gesundheitszustand und ihrer Lebensqualität befragt.

Mit ihrer Teilnahme an der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Studie tragen die Patienten dazu bei, die Behandlung von Darmkrebspatienten zukünftig zu verbessern. „Therapieentscheidungen müssen auf wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen beruhen“, fordert Prof. Markus Büchler, Vize-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). „Die Fachrichtung des erstdiagnostizierenden Arztes darf nicht ausschlaggebend für die Weiterbehandlung sein nach dem Motto: Ist er Onkologe, erhält der Patient eine Chemotherapie, ist er Chirurg, wird zunächst operiert“, ergänzt Prof. Weitz.

Quelle: Befund Krebs 4/2012

05.04.13

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