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Berufsorientierte Reha bewährt sich bei onkologischen Patienten

carlosseller/Shutterstock

Für viele Menschen, die eine Krebserkrankung überstanden haben, ist es persönlich wichtig, wieder ins Arbeitsleben zurückzukehren, aber es sind nur 62 %, die diesen Schritt wagen. Denn körperliche Veränderungen durch die Erkrankung oder Therapie wie Fatigue, schlagen sich auch auf die Arbeitskraft nieder. Gewohnte Tätigkeiten auszuführen kann schwererfallem, was zusätzlich psychische Belastungen und Erwartungsängste nach sich ziehen kann. Deshalb wurden bereits die verschiedensten Ansätze entwickelt, um solchen Problemen vorzubeugen und Patienten trotz bestehender Einschränkungen die Wiedereingliederung in den Beruf zu erleichtern.

So gibt es beispielsweise aktuell das MBOR-Programm (Medizinisch-berufliche Orientierung in der Rehabilitation) der deutschen Rentenversicherung mit Vorschlägen zu konkreten Maßnahmen für den klinischen Alltag (Deutsche Rentenversicherung Bund, 2011). Um Patienten besser auf die Rückkehr in die Arbeitswelt vorzubereiten, wurde bereits in einer Rehabilitationsklinik eine berufsbezogene Intervention für Krebspatienten im erwerbsfähigen Alter entwickelt, die sich in der medizinischen Rehabilitation befinden. Dabei spielt vor allem die interdisziplinären Zusammenarbeit des Rehabilitationsteams eine Rolle. Den Patienten soll gezielt berufsbezogene Unterstützung auf verschiedensten Ebenen geboten werden.

Eine aktuelle Studie zum Thema „Evaluation eines berufsorientierten Rehabilitationskonzeptes in der stationären onkologischen Rehabilitation“ hat sich nun die genaue Analyse des berufsbezogenen Konzepts im Vergleich zu Rehabilitationsmaßnahmen ohne einen derartigen Schwerpunkt vorgenommen. Dabei wurde vor allem untersucht, ob die Intervention im Rahmen der medizinischen Rehabilitationsmaßnahme im Vergleich zu einer berufsunspezifischen Behandlung die berufliche Rückkehrrate erhöht sowie Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit steigert.

Die Patienten selbst hatten den Eindruck, dass bei der Interventionsmaßnahme wesentlich mehr darauf eingegangen worden sei, wie der berufliche Wiedereinstieg aussehen könnte, welche Probleme es geben könnte und welche Bewältigungsstrategien dazu neu erlernt wurden. Vor allem wurden die ergotherapeutischen Angebote der Interventionsklinik als hilfreich gesehen, ebenso die psychologische Beratung und Physiotherapie. Außerdem zeigte sich, dass die Interventionspatienten nach der Rehabilitation geringeren Bedarf an externer Beratung zu beruflichen Themen haben als Personen, die an einer üblichen Reha-Maßnahme teilgenommen haben.

Besonders interessant ist aber die Selbsteinschätzung der Patienten, was ihre berufliche Leistungsfähigkeit anbelangt. Die Mehrheit der Interventionspatienten bezeichnete sich nach einem Jahr im Beruf als voll leistungsfähig, während sich die Mehrheit der Vergleichsgruppenpatienten als eingeschränkt leistungsfähig beurteilt. Zwar kommt es grundsätzlich in beiden Gruppen nach der Rehabilitation zu einer Steigerung der beruflichen Leistungsfähigkeit, die Interventionspatienten weisen allerdings eine bessere Entwicklung auf. Erfolgs- und Belohnungserlebnisse werden ebenfalls häufiger aus der Interventionsgruppe berichtet, auch hinsichtlich der Lebensqualität ist eine deutlich positivere Entwicklung zu erkennen, während die Arbeitszufriedenheit nicht höher ist als in der Vergleichsgruppe.

Die Forscher ziehen das Fazit, dass es einen Bedarf für berufsspezifische Rehabilitation gibt, dass das Konzept angenommen wird und zur Entlastung des Patienten führt. Offen bleibt die Frage, ob es zielführend sein kann, das Angebot auf spezifische Patientengruppen auszurichten. Schließlich zeigen die Ergebnisse, dass Krebspatienten, die ein Jahr nach Ende der Reha-Maßnahme noch nicht ins Berufsleben zurückgekehrt sind, in vielen Bereichen problembelastet sind und vermehrt Unterstützung benötigen.

Quelle: Sigrun Borstelmann

15.04.13

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