- Anzeige -

Sie sind hier: Startseite - Therapien - Chemotherapie - Anwendung - AML: Neuer Wirkstoffträger könnte Chemotherapie verbessern

AML: Neuer Wirkstoffträger könnte Chemotherapie verbessern

Aaliya Landholt/Shutterstock

Anthrazykline sind „Schlüsselbestandteile“ in der Behandlung der Akuten Myeloischen Leukämie (AML), einer lebensbedrohlichen Blutkrebserkrankung. Einer der wichtigsten Vertreter dieser Substanzklasse ist Doxorubicin (DOX). In enger Kooperation haben Ulmer Wissenschaftler um Prof. Tanja Weil, Prof. Christian Buske und Priv.-Doz. Dr. Michaela Feuring-Buske ein neues Biopolymer als Transportsystem für die krebshemmenden Wirkstoffe entwickelt, so die Universität Ulm.

Bisher hilft die Chemotherapie mit Anthrazyklinen nicht allen AML-Patienten und löst möglicherweise starke Nebenwirkungen aus. Dank des neuen Trägers könnte die Wirkdosis der Anthrazykline an Leukämiezellen erhöht und so eine Chemotherapie-Resistenz durchbrochen werden. Durch die gezieltere Anwendung werden Nebenwirkungen an gesunden Zellen eventuell verringert. Ihre Erkenntnisse zu dem innovativen „Nano-Transportsystem“ haben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials veröffentlicht.

Die AML ist eine Erkrankung des blutbildenden Systems, die vor allem ältere Menschen betrifft. Ohne Behandlung können Patienten innerhalb einiger Wochen sterben. Allerdings sprechen bis zu 80 % der Betroffenen auf eine Anthrazyclin-basierte Erstbehandlung an. Als gefährliche Nebenwirkung attackiert das Krebsmittel auch gesunde Körperzellen – z. B. im Herzmuskel. Infolgedessen leiden einige der ohnehin geschwächten Patienten an Herzrhythmusstörungen und -insuffizienzen. Auf der Reise durch den Blutstrom verliert das Krebsmittel zudem an Wirksamkeit. Verantwortlich dafür ist eine rasche Verstoffwechselung. Einige Tumoren entwickeln im Laufe der Chemotherapie sogar Resistenzen gegen Anthrazycline wie DOX oder sprechen gar nicht auf die Wirkstoffe an.

„Einen vielseitig einsetzbaren Träger, der Wirkstoffe gezielt, mit einem hohen Therapieerfolg in Krebszellen transportiert und wenige Nebenwirkungen verursacht, gab es noch nicht“, begründen die Autoren ihre Forschungsmotivation. Mit einem neuartigen Verfahren haben die Ulmer Forscher jetzt von menschlichen Proteinen abgeleitete Biopolymere als Wirkstoff-Träger hergestellt. Der Vorteil: Dank ihrer „Zwiebelstruktur“ können diese Transporter zahlreiche DOX-Moleküle aufnehmen und mit geringem Wirkverlust in Tumorzellen bringen. Am „Einsatzort“ werden die krebshemmenden Substanzen in zwei Stufen gezielt freigesetzt. Im Tiermodell verbuchen die Forscher erste Erfolge: Die Überlebensrate der so behandelten „Krebskranken“ war signifikant erhöht. „Das Biopolymer könnte dabei helfen, die nächste Generation von Chemotherapeutika noch effektiver und sicherer zu machen“, sagt Prof. Weil. Allerdings seien weitere pharmakologische Studien nötig, um das Wirken des neuen Nano-Transporters im menschlichen Körper zu verstehen.

Quelle: Befund Krebs 1/2013

18.04.13

Newsletter An-/Abmeldung

Code: PWNN

Schriftzug Anzeige