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Mastdarmkrebs: Neue Wirkstoffkombination ist vielversprechend

Sebastian Kaulitzki/Shutterstock

Bei Patienten mit fortgeschrittenem Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom) setzen Ärzte vor der Operation des Karzinoms oft eine Radiochemotherapie ein, um den Tumor zu verkleinern. Wie ein deutsches Forscherteam nun herausfand, reagiert der Tumor dabei eher auf eine Wirkstoff-Kombination als auf die bisher übliche Gabe eines einzelnen Wirkstoffs. Über die Ergebnisse ihrer Studie mit mehr als 1.200 Patienten berichten die Wissenschaftler in einer Online-Veröffentlichung des Fachmagazins The Lancet Oncology. Diese neue Behandlung könnte in Kombination mit der anschließenden Chemotherapie zum Goldstandard werden, betont die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO).

Bei lokal fortgeschrittenem Mastdarmkrebs ist der Tumor schon in das umliegende Fettgewebe oder in die Lymphknoten vorgedrungen, hat aber noch keine Fernmetastasen gebildet. Der wichtigste Therapieschritt ist die Entfernung des Tumors durch eine Operation. „Aber noch vor diesem Eingriff behandeln wir die meisten Patienten mit einer Strahlenchemotherapie, die die Tumorzellen abtöten und zur Verkleinerung des Tumors führen soll“, erklärt DEGRO-Präsident Prof. Dr. Jürgen Dunst aus Lübeck. Nach der Operation folge dann eine weitere Chemotherapie.

In Deutschland und anderen Ländern verwenden Ärzte für beide Chemotherapien meist das Mittel Fluorouracil. In einer großangelegten Studie prüfte die Deutsche Rektumkarzinom-Studiengruppe nun an 88 beteiligten Zentren, ob eine Kombination dieses Wirkstoffs mit dem Wirkstoff Oxaliplatin den Erfolg der Behandlung verbessert. Während die eine Hälfte der Patienten ausschließlich mit Fluorouracil behandelt wurde, bekam die andere Hälfte beide Arzneien verabreicht. Wie sich zeigte, wirkte die Behandlung mit der Wirkstoffkombination effektiver als die Therapie mit dem einzelnen Wirkstoff: Nach der Radiochemotherapie waren hier bei etwa jedem sechsten Patienten keine Tumorzellen bei der Operation mehr nachweisbar. Bei der Standardbehandlung war dies nur bei etwa jedem achten Teilnehmer der Fall. Diese sog. Komplettremission des Tumors senkt vermutlich das Risiko für ein späteres Wiederauftreten der Erkrankung.

Der Erstautor der Studie, Prof. Dr. Claus Rödel, DEGRO-Mitglied, stellt fest: „Ob die Kombination tatsächlich die langfristige Prognose der Patienten bessert, wird jedoch erst der weitere Verlauf der Untersuchung zeigen.“ Die Arbeit der deutschen Forschergruppe, die im Kommentar der Fachzeitschrift wegen ihrer herausragenden Qualität besonders gelobt wird, markiert vermutlich einen Wendepunkt. „Die Kombination zweier Wirkstoffe könnte künftig zur Standardtherapie bei fortgeschrittenem Mastdarmkrebs werden“, erklärt DEGRO-Präsident Prof. Dunst. Allerdings seien die positiven Effekte bislang nur für die unmittelbare Wirkung der Radiochemotherapie gezeigt. „Vor allem gilt es nun zu prüfen, ob die zusätzliche Gabe des Wirkstoffs Oxaliplatin tatsächlich langfristig eine Rückkehr des Krebses verhindert und die Prognose der Patienten verbessert“, sagt der Experte.

Prof. Rödel ergänzt, dass die Patienten des Studienarms mit den zwei Medikamenten diese Wirkstoff-Kombination gut vertrugen. Zwar verursachte die zusätzliche Gabe von Oxaliplatin häufiger Durchfall und Erbrechen. Insgesamt traten aber akut-toxische Effekte in beiden Gruppen gleich häufig auf – bei etwa 20 % der Teilnehmer. Besonders positiv beurteilt der Experte die gute „Compliance“: In beiden Gruppen blieben mehr als 80 % der Teilnehmer bis zum Ende bei der Behandlung.

In einer zweiten, auch in The Lancet Oncology veröffentlichten Studie prüften deutsche Mediziner ebenfalls bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Mastdarmkrebs, ob man Fluorouracil durch einen anderen Wirkstoff ersetzen kann. Tatsächlich erwies sich dieses Mittel als zumindest gleichwertig: Nach fünf Jahren lebten noch 76 % der mit diesem Wirkstoff behandelten Patienten. Mit Fluorouracil lag der Anteil bei 67 %. Derzeit prüft eine weitere Studie, ob auch diese Wirkung durch eine Kombination mit Oxaliplatin gesteigert werden kann.

Quelle: Befund Krebs 4/2012

03.04.13

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