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Nierenkrebs: Tumor ist genetisch komplexer als bisher angenommen

Jaimie Duplass/Shutterstock

Das BGI (vormals Beijing Genomic Institute) ist die weltweit größte wissenschaftliche Einrichtung, die sich mit den Genomen von Lebewesen beschäftigt, und hat eine neue Technologie entwickelt, um Zellgenome zu entschlüsseln. Forscher des BGI, das in Deutschland vor allem durch die Entschlüsselung des EHEC-Bakteriums 2011 bekannt ist, haben diese Methode auch beim Nierenzellkarzinom getestet und konnten so zeigen, dass die Analyse einzelner Zellen des hoch heterogenen Tumorgewebes ein weitaus besseres genetisches Bild des Tumors liefert als die vorherigen Massengewebsuntersuchungen. Das berichtet Medical Press.

So wandten die Forscher die neue Methode auch beim Nierenzellkarzinom an: Sie konnten dabei zeigen, dass es unwahrscheinlich ist, dass dieser Tumor das Ergebnis zweier häufiger Mutationen der Gene VHL und PBRM1 ist. Vielmehr scheint Nierenkrebs genetisch sehr komplexe Ursachen zu haben, sodass Patienten sehr individuell diagnostiziert und behandelt werden müssten, stellten die Forscher fest: Weitere Analysen ergaben, dass Mutationen bei Nierenkrebs nur in kleinen Zellfraktionen vorkamen und dass es dabei viele verschiedene Mutationsspektren gab.

Eine Analyse bei Mutationen in einer Gruppe von 98 Nierentumorpatienten ergab zudem, dass es bestimmte Schlüsselgene gibt, die zur Entwicklung dieser Krebsart beitragen. „Unsere Pilotstudie zeigt, dass Nierenkrebs genetisch komplexer ist als vorher angenommen, und stellt zudem neue Informationen bereit, um Tumoren individuell zu untersuchen – mit dem Ziel, effektivere, auf die Zelle ausgerichtete Therapien zu entwickeln“, sagte Xun Xu, Vize-Direktor von BGI.

Eine weitere Studie, die im März im New England Journal of Medicine erschienen ist, weist ebenfalls auf die Heterogenität von Nierentumoren und eine mögliche bisherige Unterschätzung des Tumorgenoms hin. Die Wissenschaftler vom London Research Institute stellten insbesondere eine große Heterogenität innerhalb eines Tumors fest. So waren über alle Regionen eines Tumors hinweg 63-69 % der Genmutationen nicht auffindbar – oder anders gesagt: Nur rund ein Drittel der Mutationen war in allen Krebsregionen feststellbar.

Die Heterogenität von Mutationen stellten sie auch bei einer Reihe von Genen fest, die den Tumor eigentlich unterdrücken sollten, aber ihre Funktion verloren hatten. In verschiedenen Regionen eines Tumors konnten sie gar Gen-Expressionen für eine gute und eine schlechte Prognose feststellen. „Die intratumorale Heterogenität könnten die Schwierigkeiten erklären, die man aufgrund von Stichprobenfehlern in der Überprüfung von onkologischen Biomarkern festgestellt hat, und so therapeutische Resistenz vorhersagen“, schreiben die Autoren. So habe auch jeder einzelne Tumor eine Art Stammbaum – und die Tumorzellen unterliegen einer gewissen Evolution, sodass es zu derart unterschiedlichen Ergebnissen kommt, je nachdem, welche Region des Tumors man gerade betrachtet. Eine Möglichkeit könnte es daher sein, häufige Mutationen, die bereits im Stamm des „Tumorbaums“, also zu Beginn des Wachstums des Tumors, angelegt worden sind, zu identifizieren, um robustere Biomarker und therapeutische Möglichkeiten zu entwickeln.

Quelle: Befund Krebs 2/2012

04.12.12

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