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Psychoonkologie hilft, die richtigen Fragen zu stellen

kurhan/Shutterstock

Psychoonkologie ist zwar eine noch recht junge Disziplin, aber dennoch mittlerweile ein gut integrierter Bestandteil in vielen Kliniken und Krebszentren. Doch was ist Psychoonkologie genau und was kann sie leisten? Expertin Dr. Anne Rose gibt dazu Auskunft.

Wer an Krebs erkrankt, ist in aller Regel darauf nicht vorbereitet. Plötzlich und unerwartet steht die Diagnose im Raum. „Da entstehen ganz viele Fragen, Gefühle der Angst und der existenziellen Bedrohung“, erklärt Dr. Anne Rose, Fachärztin für Innere und Psychosomatische Medizin sowie Psychotherapie. „Psychoonkologen können hier hilfreich sein, dabei, die „richtigen“ Fragen zu stellen und für den jeweiligen Patienten die richtigen Antworten zu finden oder zu erarbeiten.“

Ein wichtiges Stichwort ist in diesen Zusammenhang Interdisziplinarität: „Im Gebiet der psychosozialen Onkologie, wie die Psychoonkologie auch genannt wird, arbeiten unterschiedliche Berufsgruppen sehr eng zusammen – dies ergibt sich aus den sehr unterschiedlichen Fragen und Bedürfnissen der Patienten. In erster Linie richten sich Fragen natürlich an die behandelnden Ärzte, daneben entstehen aber auch soziale, gesellschaftliche, finanzielle, existenzielle, arbeitsbezogene, aber auch spirituelle Fragen. Hier sind auch Psychotherapeuten, Psychologen, Pflegende, Seelsorger, Sozialarbeiter und natürlich die Selbsthilfegruppe, ambulante Pflege- und Hospizdienste wichtig“, erzählt Dr. Rose. Psychoonkologen seien daher auch eine Art Lotse für Krebserkrankte und ihre Angehörigen. „Wir möchten zunächst ein niedrigschwelliges Gesprächsangebot anbieten, um die Kontaktaufnahme für die Betroffenen zu erleichtern. Wenn jemand das Gefühl hat, dass er ein Gespräch oder eine Beratung braucht, kann er zu uns kommen.“

Dabei müsse niemand die Angst haben, plötzlich als „verrückt“ zu gelten, weil er das Gespräch zum Psychoonkologen sucht. „Gefühle wie Angst, Trauer, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit oder Stimmungsschwankungen können jeden nach einer so schwerwiegenden Diagnose betreffen“, betont Dr. Rose. Das Gesprächs- und Beratungsangebot der Psychoonkologen sei daher auch nicht primär gleichzusetzen mit einer Psychotherapie, sondern zunächst einmal eine Art von Bestandsaufnahme und ein Beratungsangebot. Trotzdem gibt es natürlich Erkrankte, deren Seele so sehr leidet, dass sie professionelle Hilfe brauchen: Eine behandlungsbedürftige Depression oder Angststörung haben in etwa 30 % der Krebspatienten.

Doch auch über eine erste Beratung hinaus sollte das psychoonkologische Gesprächs- und Beratungsangebot für Krebserkrankte und ihre Angehörigen in allen Phasen der Behandlung angeboten werden. „Zu jedem Zeitpunkt der Behandlung, sei es stationär, ambulant, tagesklinisch und auch nach Abschluss der unmittelbaren Behandlungs- und Nachsorgephase sollte unser Angebot wahrgenommen werden können“, sagt Dr. Rose. Manche Fragen tauchen erst im fortgeschrittenen Therapieprozess auf und für einige Patienten ergeben sich auch schwierige Situationen, wenn die Behandlung abgeschlossen ist. „Die Rückkehr in die Normalität, die ganz anders ist, kann belastend sein“, weiß Dr. Rose. Manchmal treten auch Verunsicherungen im Beruf auf oder es haben sich Dinge in der Partnerschaft verändert. Dr. Rose begleitet daher manche Krebserkrankte schon mehr als zehn Jahre. „Mit liegt die Psychoonkologie sehr am Herzen“, betont sie. Die Angst und Verunsicherung sei nach einer Krebsdiagnose sehr groß. „Da ist es einfach wichtig, dass es Menschen gibt, die genau das auch wahrnehmen und darauf eingehen können und den Patienten und ihren Angehörigen gleichermaßen den Luxus des Sich-Zeit-Nehmens und des Zuhörens anbieten können. Und ich glaube, dass dadurch Patienten und ihren Angehörigen sehr viel ermöglicht wird.“

Quelle: Befund Krebs 5/2012

12.04.13

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