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Psychoonkologie: Studie weist auf starke psychische Belastungen hin

Deklofenak/Shutterstock

Jeder zweite Krebspatient berichtet über eine hohe psychische Belastung durch die Krankheit. Die Zahl der Patienten mit psychischen Begleiterkrankungen ist allerdings geringer als bisher angenommen. Das ist das Ergebnis der nach Angaben der Uniklinik Hamburg-Eppendorf weltweit größten Studie zu psychosozialen Belastungen und Störungen, die von dieser durchgeführt wurde. Ihre Ergebnisse wurden kürzlich bei der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie (PSO) vorgestellt.

Deutschlandweit wurden mehr als 4.000 Krebspatienten zu ihren psychischen Belastungen befragt, mehr als 2.000 Patienten stellten sich für ein klinisches Interview zur Verfügung. „Nicht nur die mit der Erkrankung einhergehenden starken körperlichen Einschränkungen, auch die Auswirkungen der Krankheit auf die eigene Rolle in der Familie, im Beruf und im Alltag führen zu psychischen Belastungen“, sagt Dipl.-Psych. Prof. Dr. Martin Härter. „Unsere Studie hat gezeigt, dass zwar bei der Hälfte aller Patienten psychische Belastungen auftreten, weit weniger aber weisen psychische Erkrankungen auf.“ Unterschätzt werde häufig die Belastung durch die oft langwierigen und kostenaufwendigen Krebstherapien, die ambulant fortgeführt werden. Diese hätten oft einen sozialen Einbruch in den Familien zur Folge.

Eine adäquate psychoonkologische Versorgung erreiche jedoch häufig nur die Mittelschicht. Die Sorge ums Geld und die Angst vor dem sozialen Abstieg belasten Krebspatienten und ihre Angehörigen oft genauso wie die Erkrankung selbst. „Wir müssen ein stärkeres Bewusstsein für diese Problematik schaffen“, erklärt Dipl.-Psych. Prof. Dr. Frank Schulz-Kindermann, Leiter einer Spezialambulanz für Psychoonkologie: „Vielen ist bewusst, dass bei der Versorgungsgerechtigkeit nachgearbeitet werden muss.“

Wie PSO und die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für psychosoziale Onkologie (dapo) berichteten, waren die Patienten in der Studie durchschnittlich 58 Jahre alt, 51 % von ihnen waren Frauen. Bei den psychischen Erkrankungen kamen häufig Angst- und sog. affektive Störungen vor. Rund 52 % der Studienteilnehmer zeigten sich psychisch belastet und litten vor allem unter Stress, Ängstlichkeit und Depressivität. Des Weiteren zeigte die Untersuchung, dass bei den Patienten ein Bedürfnis nach psychosozialen Unterstützungsangeboten besteht, auch die Akzeptanz von solchen Angeboten war groß. Rund ein Drittel der Patienten wünschte sich demnach aktiv Unterstützung, etwas weniger als zwei Drittel würde diese auch in Anspruch nehmen, wenn sie angeboten würde, so PSO und dapo.

Bei der PSO-Jahrestagung stand auch das Thema Kinder als Angehörige von Krebspatienten im Fokus. Schätzungsweise 200.000 Kinder und Jugendliche erleben in Deutschland jährlich, dass Vater oder Mutter an Krebs erkranken. Und während es für die Eltern krebskranker Kinder ein umfassendes Unterstützungsangebot gibt, herrsche umgekehrt oftmals Sprachlosigkeit, sagt Kinderpsychiater Prof. Dr. Georg Romer: „Die Eltern sind verunsichert, was sie ihren Kindern zumuten können, die Kinder ihrerseits spüren, dass etwas nicht in Ordnung ist, und können von den vielfachen Belastungen durch die Krankheit nicht abgeschirmt werden.“ Hier besteht also ein besonderer psychosozialer Unterstützungsbedarf.

Quelle: Befund Krebs 1/2013

25.04.13

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