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Zehn Jahre danach

Ethan Andrews/Shutterstock

„Die Zeit fliegt“ sagt man und 2013 ist bereits mein zehntes krebsfreies Jahr, das ich in besondere Weise zu feiern gedenke. So ergab es sich im März, dass meine Lieblingskünstlerin Olivia Newton-John (selbst 1992 an Brustkrebs erkrankt) mit ihrer Welttournee in Großbritannien Station machte. Lange brauchte ich nicht zu überlegen und bestellte mir gleich für zwei Konzerte Karten und bekam sogar für die Show im Bournemouth International Centre einen Backstage Pass durch Beziehungen zu guten Freunden.

Ich hatte Olivia 1999 schon einmal in den USA im Konzert erlebt, doch diese Erinnerung war nach vierzehn Jahren inzwischen ein wenig verblasst. Jetzt war es an der Zeit, diese Erinnerung aufzufrischen. Mit einer siebenköpfigen Band spielte die Sängerin und Schauspielerin zwei ganze Stunden ohne Pause und ohne Kostümwechsel untermalt von einer minimalistischen, jedoch grandiosen Lichtshow. Dreißig Titel, darunter alle bekannten Hits aus den Filmen „Grease“, „Xanadu“ und ihr Mega-Erfolg „Physical“ wurden von den Fans mitgesungen und mit stehenden Ovationen honoriert. Der inzwischen 64-jährigen Künstlerin mangelt es an keinerlei Kondition. Im Gegenteil. In der Londoner Royal Albert Hall brachte sie die Halle zum Kochen und es fiel schwer, auf den Stühlen sitzen zu bleiben.

1992 schien die Diagnose Brustkrebs für Olivia Newton-John zunächst den Rückzug aus dem Showgeschäft zu bedeuten. Doch bereits zwei Jahre danach verarbeitete sie den Schicksalsschlag mit ihrem bis heute persönlichsten Album „Gaia – One Woman’s Journey“. Aus diesem Album sang sie auch jetzt in England einige Titel. Besonders mitreißend ist der Song „Not Gonna Give In To It“ (Gib niemals auf), den sie während einer Chemotherapie Behandlung schrieb.

Natürlich war es ein besonderes Ereignis, mit einigen wenigen Menschen nach dem Konzert in Bournemouth für zwanzig Minuten hinter die Bühne zu Olivia zu dürfen. Sie ist, wie auf der Bühne, natürlich und unkompliziert. Sie konnte sich sogar an einen Brief erinnern, den ich ihr ein paar Jahre zuvor geschrieben hatte. Es gab genug Zeit, ein wenig über dies und das zu plaudern und für Fotos zu posieren. Olivia hat immer betont, dass nicht jeder so viel Glück gehabt hat wie sie. Und aus diesem Grund macht sie sich unermüdlich stark im Kampf gegen den Krebs und ermutigt, insbesondere Frauen, sich frühzeitig und regelmäßig untersuchen zu lassen. In ihrem Heimatland Australien wurde im Juni 2012 das Olivia Newton-John Cancer and Wellness Centre eröffnet, für das der außergewöhnliche Star mehr als zehn Jahre Spenden gesammelt hat.

Es ist eine große Inspiration für mich gewesen, eine Frau zu treffen, die trotz einer beispiellosen Karriere so natürlich geblieben ist und die den Krebs nun schon mehr als zwanzig Jahre überlebt hat. Auch wenn die Momente, in denen ich Olivia gegenüberstand und mit ihr sprach kurz waren, im Vergleich zu einer kräftezehrenden Krebstherapie, der ich mich wegen eines Non-Hodgkin Lymphoms 2003 unterzogen habe, so haben mich doch gerade diese kurzen Momente inspiriert durchzuhalten und mir Kraft gegeben weiterzumachen. Denn darum geht es doch im Leben: Niemals aufgeben und weitermachen, damit man auf zehn, zwanzig oder mehr krebsfreie Jahre zurückschauen kann.

Kay Bohlen

Quelle: Befund Krebs 2/2013

21.06.13

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